Buchhaltung unter Linux – ohne Wine, ohne Browser-Umweg. ELSTER nativ, SQLite als Datei, LUKS darunter. Kein Cloud-Login, kein Windows-Umweg.
Buchhaltungssoftware auf Linux heißt meist: Windows-Programm in Wine, ELSTER im Browser, Daten in einer Cloud. Es geht auch ohne jeden dieser Kompromisse.
Drei Dinge, die auf Linux anders sind – und hier gelöst
ELSTER ohne Wine. Die amtliche ERiC-Bibliothek der Steuerverwaltung läuft direkt unter Linux. Die freien Linux-Clients dafür wurden 2012 (Taxbird) und 2019 (Geierlein) eingestellt – seither führt der übliche Weg über Windows-Software unter Wine. PilotOS nutzt die Bibliothek selbst, mit Ladeprotokoll und Versionsnummer.
Die Datenbank ist eine Datei. Kein proprietäres Format, kein Dienst, der laufen muss:
data/pilotos.sqlite3. Du kannst sie mit sqlite3 öffnen und nachsehen, was drinsteht –
ohne dass die Software dabei sein muss.
Verschlüsselung von unten. LUKS auf dem Datenträger schützt die Datei. Das Programm behauptet keine eigene Ende-zu-Ende-Verschlüsselung – die ehrliche Aussage ist: die Datenträger- verschlüsselung schützt, und die Sicherung braucht ebenfalls ein geschütztes Ziel.
Drei Fälle
Der Sysadmin, der seine eigene Buchhaltung macht. Er will keine Cloud, keine Weboberfläche
und keine Datenbank, die er nicht sichern kann. Er kopiert die Datei in sein Backup und prüft sie mit
sqlite3, bevor er sie archiviert.
Der Betrieb mit Linux-Arbeitsplätzen. Die Buchhaltung läuft auf einem der vorhandenen Rechner, ohne dass ein Windows-Rechner dazukommt und ohne zweiten Datenbestand.
Die Vorgabe von außen. Wer aus Datenschutzgründen keine Auftragsverarbeitung abschließen will, braucht keinen Auftragsverarbeiter. Ohne Anbieter-Server gibt es nichts zu beauftragen.
Wo es nicht passt
Es gibt kein Paket in den Distributions-Repositories – kein .deb, kein
.rpm, kein Flatpak. Die Linux-Fassung ist portabel und wird als Datei ausgeliefert. Sie braucht
eine grafische Oberfläche; einen reinen Serverbetrieb ohne X oder Wayland gibt es nicht. Und wenn du eine
TSE als Hardwarekassa anschließt, hängt das Gelingen vom Treiber des Herstellers ab – das ist
kein Buchhaltungsthema, aber es kann bremsen.
Häufige Fragen
Läuft ELSTER wirklich ohne Wine?
Ja, über die amtliche ERiC-Bibliothek. Das ist der technische Unterschied zu einer Windows-Anwendung, die unter Wine gestartet wird. Das Ladeprotokoll mit Version und Rückgabewerten steht auf der Seite ELSTER unter Linux.
Welche Distributionen werden unterstützt?
Die portable Fassung läuft auf gängigen Distributionen. Eine Zusage für jede Version gibt es nicht – bei Abhängigkeiten von Systembibliotheken ist das ehrlicher als eine Liste, die nach zwei Updates veraltet.
Kann ich die Datenbank ohne PilotOS lesen?
Ja. Es ist eine SQLite-Datei. Mit sqlite3 oder einem beliebigen SQLite-Werkzeug siehst du Tabellen und Inhalte. Genau das ist der Unterschied zu einem Format, das nur der Hersteller lesen kann.
Der Alltag unter Linux – was wirklich passiert
Ein Buchhaltungsprogramm wird nicht täglich neu installiert. Es läuft. Deshalb zählt unter Linux weniger die Installationsroutine als der Betrieb über Jahre: Startet es nach dem nächsten Distributionswechsel noch? Liegen die Daten an einem Ort, den ich sichere? Und komme ich an sie heran, wenn die Software einmal nicht mehr läuft?
Drei Gewohnheiten helfen mehr als jede Anleitung. Erstens: die Datenbank in ein Verzeichnis
legen, das ohnehin gesichert wird, nicht in den Programmordner – sonst verschwindet sie beim nächsten
Update. Zweitens: einmal im Quartal mit sqlite3 hineinsehen; wer die Tabellen
einmal gesehen hat, verliert die Angst vor dem Format. Drittens: eine Sicherung außerhalb des
Rechners, verschlüsselt, mit bekanntem Passwort – die häufigste Ursache für Datenverlust ist nicht die
Software, sondern die Sicherung, die niemand geprüft hat.
Und die unbequeme Seite: Unter Linux gibt es keinen Hersteller, der dir die Installation abnimmt. Wer das nicht will, ist mit einer Cloud-Lösung besser bedient – dort ist der Betrieb Teil des Preises. Hier ist er deine Aufgabe.
Kurz gesagt: Unter Linux ist die Wahl der Buchhaltung keine Geschmacksfrage, sondern eine Frage der Verantwortung. Wer sie tragen will, bekommt ein System, das ihm gehört.