Der Dispo ist der teuerste Kredit, den du nie beantragt hast.
Wie viel eine dauerhafte Kontoüberziehung wirklich kostet – und ab wann ein Ratenkredit günstiger wäre.
Kurz gesagt: Der Dispositionskredit wird tagesgenau auf den jeweiligen Sollsaldo verzinst, meist mit einem deutlich höheren effektiven Jahreszins als ein klassischer Ratenkredit – Vergleichsportale und Bankdatenauswertungen (Finanztip, Smava, Bankdaten.de) beziffern den Marktdurchschnitt 2026 auf rund 11,3 % effektiven Jahreszins (Spanne ca. 7,5–13,7 %, geduldete Überziehung bis rund 20 %), während Ratenkredite je nach Bonität oft deutlich darunter liegen. Wer dauerhaft, nicht nur kurzfristig, im Minus ist, zahlt auf den durchschnittlichen Überziehungsbetrag über ein Jahr gerechnet einen erheblichen Betrag an reinen Zinskosten – ohne dass sich der Schuldenstand dadurch verringert. Ein Vergleich mit einem Ratenkredit zur Ablösung lohnt sich ab dem Punkt, an dem die Überziehung zum Dauerzustand statt zur kurzfristigen Liquiditätsspitze wird. Stand: 12.09.2026.
Berechnung: Sollsaldo × Zinssatz × (Tage im Minus ÷ 365). Die Bank verzinst tagesgenau; dieser Rechner nimmt einen konstanten Durchschnittssaldo an – schwankt der Saldo stark, weicht der reale Betrag ab.
Warum der Dispo so teuer bleibt
Der Dispositionskredit ist bequem, weil er ohne Antrag sofort verfügbar ist – genau dafür verlangt die Bank einen Aufschlag gegenüber einem regulär beantragten Ratenkredit, bei dem die Bonität geprüft und eine feste Laufzeit vereinbart wird. Wer den Dispo nur für wenige Tage im Monat nutzt, zahlt kaum spürbare Zinsen. Wer dauerhaft im Minus steht, zahlt Jahr für Jahr denselben Betrag, ohne dass sich am Schuldenstand etwas ändert.
Ab wann sich die Ablösung lohnt
Ein Ratenkredit zur Ablösung des Dispos zwingt zu einer festen monatlichen Tilgung – der Schuldenstand sinkt tatsächlich, statt dauerhaft gleich zu bleiben. Rechnet sich der Zinsvorteil im Rechner deutlich, ist das ein Signal, mit der Bank oder einem Vergleichsportal über eine Umschuldung zu sprechen.
Wie sich die Dispozinsen zusammensetzen
Die Bank berechnet Dispozinsen tagesgenau auf den jeweiligen Sollsaldo – nicht auf einen Durchschnittswert im Nachhinein, sondern auf den Betrag, um den das Konto an jedem einzelnen Tag überzogen ist. Schwankt der Saldo im Monatsverlauf stark, weil zum Beispiel Gehalt oder Rechnungseingänge zu unterschiedlichen Zeitpunkten kommen, verändert sich damit auch die tägliche Zinsbasis. Dieser Rechner vereinfacht das auf einen konstanten Durchschnittssaldo über die angegebene Anzahl Tage im Minus – für eine schnelle Annäherung reicht das, für die letzte Nachkommastelle zieht die Bank den echten Tagessaldo heran.
Die Formel lautet: Dispozinsen pro Jahr = Sollsaldo × Zinssatz (in % p. a.) × (Tage im Minus ÷ 365). Der Vergleichswert mit einem Ratenkredit funktioniert nach demselben Muster, nur mit dem günstigeren Vergleichszinssatz – die Differenz zwischen beiden Ergebnissen ist die rechnerische Jahresersparnis einer Umschuldung.
Rechenbeispiel 1: Ein durchschnittlicher Sollsaldo von 2.000 € bei einem Dispozinssatz von 10,5 % p. a. und 365 Tagen im Minus (also ganzjährig leicht überzogen) ergibt: 2.000 € × 10,5 % × (365 ÷ 365) = 210,00 € Zinsen im Jahr, umgerechnet 17,50 € im Monat. Ein Ratenkredit zu 6,5 % würde im selben Zeitraum nur 130,00 € kosten – die Ersparnis durch eine Umschuldung läge bei 80,00 € im Jahr, was bei den üblichen Bearbeitungswegen eines Ratenkredits kaum den Aufwand rechtfertigt.
Rechenbeispiel 2 (Randfall dauerhafte Vollauslastung eines hohen Dispo-Rahmens): Ein Selbstständiger mit stark schwankenden Eingängen schöpft einen Dispo-Rahmen von 10.000 € ganzjährig fast vollständig aus, bei einem Zinssatz von 13,7 % p. a. (oberes Ende der marktüblichen Spanne). Das ergibt: 10.000 € × 13,7 % × (365 ÷ 365) = 1.370,00 € Zinsen im Jahr, also 114,17 € im Monat – nur für die Zinsen, ohne dass der Schuldenstand sinkt. Ein Ratenkredit zu 6,5 % würde hier nur 650,00 € kosten: eine Ersparnis von 720,00 € im Jahr, die bei dieser Größenordnung eine Umschuldung klar rechtfertigt.
Der Unterschied zwischen den beiden Beispielen zeigt das Prinzip: Bei kurzfristiger, kleiner Überziehung bleibt der Dispo trotz hohem Zinssatz in absoluten Zahlen günstig und unkompliziert. Wird die Überziehung dagegen zum Dauerzustand mit hohem Betrag, summieren sich dieselben Prozentpunkte zu einer erheblichen, wiederkehrenden Belastung – ohne Tilgungswirkung.
Vom Dispo-Warnsignal zur Liquiditätsplanung
Ein einzelner Dispozinssatz sagt wenig, solange er nicht im Verhältnis zu den anderen Verbindlichkeiten steht. Im Schulden- und Liquiditätsmodul von PilotOS wird jede erfasste Schuldenzeile – Dispo, Ratenkredit, Leasing oder sonstige Verbindlichkeit – automatisch nach effektivem Zinssatz sortiert und mit dem hinterlegten Marktdurchschnitt für Dispokredite verglichen. Liegt der eigene Dispozins über oder unter diesem Referenzwert, weist das System das transparent aus – inklusive Quelle und Stand der Vergleichszahl.
Weil der Dispo in aller Regel die teuerste Schuld im Bestand ist, priorisiert das Modul ihn in der Tilgungsreihenfolge entsprechend: Erst die teuerste, dann die nächstteuerste Verbindlichkeit ablösen, bevor Guthaben in günstiger verzinste Kredite fließt. Diese Berechnung läuft lokal auf Basis der eigenen Kontodaten, ohne dass Saldo oder Zinssatz das Gerät verlassen.
Häufige Fehler bei der Dispo-Kalkulation
1. Nur den Sollzins statt den effektiven Jahreszins vergleichen: Manche Banken berechnen zusätzlich Kontoführungsentgelte oder Mindestzinsen, die im reinen Sollzins nicht sichtbar sind. Ein Vergleich sollte immer auf dem effektiven Jahreszins laut Preisaushang beruhen.
2. Dispozins und Überziehungszins verwechseln: Der günstigere Dispozins gilt nur bis zur eingeräumten Kreditlinie. Wird diese überschritten (geduldete Überziehung), greift ein oft deutlich höherer Zinssatz von bis zu rund 20 % – ein häufig übersehener Kostentreiber bei knapp kalkulierten Konten.
3. Dauerhafte statt kurzfristige Nutzung: Der Dispo ist für kurzfristige Liquiditätsspitzen gedacht, nicht als Dauerfinanzierung. Wer ihn Monat für Monat in gleicher Höhe ausschöpft, zahlt dieselben Zinsen immer wieder, ohne dass sich am Schuldenstand etwas ändert – anders als bei einem Ratenkredit mit fester Tilgung.
4. Umschuldungsersparnis falsch einschätzen: Bei der Gegenüberstellung mit einem Ratenkredit werden Bearbeitungsgebühren, die Dauer der Kreditprüfung und fehlende Flexibilität bei Sondertilgungen oft ausgeblendet. Die reine Zinsersparnis ist nur die halbe Rechnung.
5. Zinssatz nie mit dem Markt abgleichen: Dispozinsen schwanken je nach Institut erheblich (rund 7,5 bis 13,7 % p. a. laut Vergleichsportalen, Stand 2026). Wer den eigenen Satz nie mit Vergleichsportalen oder anderen Banken abgleicht, zahlt häufig unbemerkt deutlich mehr als nötig.
Dispokredit-Zinsen-Rechner – Fragen und Antworten
Wie wird der Dispozins genau berechnet?
Tagesgenau auf den jeweiligen Sollsaldo: Zinssatz mal Saldo mal Anzahl der Tage, geteilt durch 365. Schwankt der Saldo, ändert sich die Zinsbasis täglich.
Stand
Warum ist der Dispozins so viel höher als bei einem Ratenkredit?
Der Dispo ist unbesichert, ohne Bonitätsprüfung sofort nutzbar und ohne feste Laufzeit – dieses Risiko und die Flexibilität lässt sich die Bank mit einem deutlichen Zinsaufschlag bezahlen.
Stand
Was ist der Unterschied zwischen Dispo- und Überziehungszins?
Der Dispozins gilt bis zur eingeräumten Kreditlinie, der meist noch höhere Überziehungszins (geduldete Überziehung) für den Betrag darüber hinaus.
Stand
Lohnt sich immer ein Ratenkredit statt Dispo?
Nur, wenn die Überziehung dauerhaft ist. Für eine kurzfristige Liquiditätsspitze von wenigen Tagen ist der Dispo wegen der fehlenden Bearbeitung meist praktischer und in absoluten Beträgen günstiger.
Stand
Wirkt sich der Dispo auf die Bonität aus?
Eine dauerhaft hohe Ausschöpfung der Kreditlinie kann sich negativ auf das Scoring auswirken, auch ohne dass eine Zahlung ausfällt.
Stand
Wie senke ich die Dispozinsen ohne Kreditwechsel?
Mit der Bank über den Zinssatz verhandeln (insbesondere bei langjähriger Kundenbeziehung) oder die Kreditlinie bei einer anderen Bank vergleichen, da die Sätze stark variieren.
Stand
Wie hoch ist der durchschnittliche Dispozins in Deutschland 2026?
Laut Auswertung von Vergleichsportalen und Bankdaten (Finanztip, Smava, Bankdaten.de) lag der Marktdurchschnitt 2026 bei rund 11,3 % effektivem Jahreszins, mit einer Spanne von etwa 7,5 bis 13,7 % je nach Institut; die geduldete Überziehung über die eingeräumte Kreditlinie hinaus kann bis zu rund 20 % kosten.
Stand
Wie hoch darf mein Dispokredit-Rahmen sein?
Es gibt keinen gesetzlichen Anspruch auf eine bestimmte Höhe – Banken orientieren sich in der Praxis meist an zwei bis drei Netto-Monatsgehältern und der bisherigen Kontoführung, legen den Rahmen aber nach eigenem Ermessen fest.
Stand
Kann die Bank den Dispokredit kurzfristig kündigen oder senken?
Ja. Anders als ein Ratenkredit mit fester Laufzeit ist der Dispo jederzeit widerruflich – die Bank kann die Kreditlinie bei veränderter Bonität, unregelmäßigen Zahlungseingängen oder aus eigenem Ermessen reduzieren oder kündigen, meist mit kurzer Ankündigungsfrist.
Stand
Mit deinen echten Zahlen weiterrechnen
Dieser Rechner arbeitet mit den Annahmen, die du eingetippt hast. PilotOS rechnet dieselbe Formel über deine tatsächlichen Buchungen – lokal auf deinem Rechner, ohne dass eine Zahl das Haus verlässt.
Der Free-Tarif ist dauerhaft kostenlos. Kein Konto nötig, um die Rechner zu benutzen.