Nachfolge & Betriebsübergabe · Unternehmensbewertung 2026

Was ist dein Betrieb wert – wirklich, nicht gefühlt?

Grobe Orientierungsspanne nach Branche: EBIT-Multiplikator, vereinfachtes Ertragswertverfahren (§ 203 BewG) oder branchenspezifische Methode für Steuerkanzlei, Handelsvertretung und Maklerbestand.

11 Branchen Enterprise Value & Eigenkapitalwert Kein Gutachten

Kurz gesagt: Ein Firmenwert lässt sich grob auf zwei Wegen schätzen: über das vereinfachte Ertragswertverfahren (§ 203 BewG, nachhaltiger Jahresertrag × 13,75 – steuerlich anerkannt, aber blind für Schulden) oder über einen branchentypischen EBIT-Multiplikator (z. B. 3,5–5,0 im Handwerk, 7–12 in IT/Software), von dem die Nettoverschuldung abgezogen wird, um zum Eigenkapitalwert zu kommen. Drei Branchen ticken anders: Steuerkanzleien werden meist über den Jahresumsatz bewertet (80–150 %), bei Handelsvertretungen ist der wirtschaftlich greifbare Wert oft der gesetzliche Ausgleichsanspruch nach § 89b HGB (gedeckelt auf die Ø-Provision der letzten 5 Jahre), und Versicherungsmakler-/Vertreterbestände werden meist mit dem 1,5- bis 3,5-Fachen der Jahres-Bestandscourtage gehandelt. Alle Ergebnisse sind grobe Orientierung, kein Gutachten. Stand: 12.09.2026.

Enterprise Value (von–bis)
Eigenkapitalwert (von–bis)
Ertragswert § 203 BewG
Wert bei 80 %
Wert bei 115 % (Mitte)
Wert bei 150 %
Höchstbetrag Ausgleichsanspruch § 89b HGB
bei Faktor 1,5
bei gewähltem Faktor
bei Faktor 3,5

 

Grobe Orientierung, kein Gutachten. Banken/Käufer nutzen zusätzlich DCF-Verfahren; bei Verhandlungen und für die Erbschaft-/Schenkungsteuer (§§ 13a/13b ErbStG) ist eine Fachbewertung im Einzelfall nötig.

Warum ein pauschaler Firmenwert nie die ganze Wahrheit ist

Jeder der hier verwendeten Multiplikatoren ist eine Marktbandbreite, keine feste Formel. Zwei Betriebe mit identischem EBIT können unterschiedlich viel wert sein, je nachdem wie abhängig das Geschäft vom Alt-Inhaber ist, wie konzentriert der Kundenstamm ist und wie stabil der Auftragsbestand aussieht. Der Rechner liefert den Startpunkt für ein Gespräch mit Steuerberater, Fachbewerter oder Nachfolger – nicht das letzte Wort.

Enterprise Value vs. Eigenkapitalwert

Der Enterprise Value bewertet den operativen Betrieb unabhängig von seiner Finanzierung. Erst nach Abzug der Nettoverschuldung (Verbindlichkeiten minus liquide Mittel) ergibt sich der Eigenkapitalwert – der Betrag, der für die Alt-Inhaber tatsächlich übrig bleibt, wenn ein Käufer die Schulden mitübernimmt oder ablöst.

Erklärt

Zwei Rechenwege – und zwei Branchen, die anders ticken

Das vereinfachte Ertragswertverfahren (§ 203 BewG) multipliziert den nachhaltig erzielbaren Jahresertrag mit dem festen Kapitalisierungsfaktor 13,75 – steuerlich anerkannt (z. B. bei der Erbschaftsteuer), aber es berücksichtigt Schulden nicht direkt. Das Multiplikatorverfahren rechnet EBIT × Branchenfaktor = Enterprise Value, davon die Nettoverschuldung abgezogen = Eigenkapitalwert – näher an dem, was ein Käufer tatsächlich zahlt.

Rechenbeispiel 1 (Dienstleistungsbetrieb): Ein Beratungsunternehmen erzielt 120.000 € EBIT, hat 80.000 € Verbindlichkeiten und 30.000 € liquide Mittel. Branchenfaktor Dienstleistung 4,5–7,0: Enterprise Value 540.000 € bis 840.000 €. Nettoverschuldung 50.000 € (80.000 − 30.000). Eigenkapitalwert: 490.000 € bis 790.000 €. Der vereinfachte Ertragswert (120.000 € × 13,75) läge bei 1.650.000 € – deutlich höher, weil er die 50.000 € Nettoschulden gar nicht abzieht. Genau dieser Unterschied ist der Grund, warum Banken und Käufer dem Multiplikatorverfahren mehr vertrauen.

Rechenbeispiel 2 (Randfall: Steuerkanzlei nach Umsatzmethode): Eine Steuerberaterkanzlei erzielt 500.000 € Jahresnettoumsatz. Nach der verbreiteten Umsatzmethode (80–150 %) ergibt sich eine Wertspanne von 400.000 € bis 750.000 €, Richtwert bei 115 % rund 575.000 €. Fachlich gilt diese Methode nur als erste Orientierung: Ist die Kanzlei kaum profitabel (z. B. wegen hoher Personalkosten oder eines überalterten Mandantenstamms), führt ein Kaufpreis von 1,2-fachem Umsatz in der Praxis oft zu einer Finanzierung, die aus dem laufenden Ertrag nicht mehr bedienbar ist – die fachlich empfohlene Ertragswertmethode (Bewertung nach dem nachhaltig erzielbaren Gewinn des Nachfolgers) bildet das realistischer ab, ist hier aber nicht abgebildet.

In der Praxis

Wo das im PilotOS-System weiterläuft

Im Coaching- & Consulting-Modul von PilotOS steht dieselbe Mehrmethoden-Bewertung (Ertragswert + EBIT-Multiplikator mit Markt-/Qualitätsanpassung + Substanzwert-Untergrenze) als Baustein der Übergabepilot-Funktion zur Verfügung – dort lassen sich zusätzlich Wachstum, Marktlage, Inhaberabhängigkeit, Kundenkonzentration und Auftragsbestand als Anpassungsfaktoren einbeziehen, und das Ergebnis fließt direkt in die Nachfolgeformen-Übersicht (Familiennachfolge, Verkauf, MBO/MBI, Stiftung) sowie die grobe Erbschaftsteuer-Verschonungsprüfung nach §§ 13a/13b ErbStG. Für die Mandanten-Erfassung im Coaching-Modul (Gründer, Nachfolger, Revisionsprojekte) ist der hier berechnete Richtwert der erste Baustein eines Beratungsgesprächs.

Fehlerquellen

Häufige Fehler bei der Firmenwert-Schätzung

1. EBIT mit dem eigenen Verdienst verwechseln: Bei einem Solo-/Kleinbetrieb ist der ausgewiesene Gewinn oft schlicht der Lebensunterhalt des Inhabers. Ohne eine kalkulatorische Korrektur um ein marktübliches Geschäftsführergehalt wird der EBIT künstlich hoch und der Firmenwert entsprechend überschätzt.

2. Enterprise Value mit Eigenkapitalwert verwechseln: Ein Verkäufer, der den Enterprise Value als "das, was ich bekomme" liest, übersieht, dass Schulden davon zuerst abgezogen werden. Bei hoher Verschuldung kann der Unterschied den halben Wert ausmachen.

3. Den höchsten verfügbaren Multiplikator wählen: Die Spannen sind Marktbandbreiten, kein Einheitspreis. Wer sich ohne Begründung am oberen Rand orientiert, überschätzt systematisch – die Marktlage, Kundenkonzentration und Inhaberabhängigkeit drücken den realen Faktor häufig nach unten.

4. Bei der Handelsvertretung von einem klassischen Verkaufspreis ausgehen: Der § 89b-Ausgleichsanspruch ist ein gesetzlicher Anspruch gegen den vertretenen Unternehmer beim Vertragsende, kein Kaufpreis für einen übertragbaren Kundenstamm – und er setzt zusätzlich eine Billigkeitsprüfung voraus, die dieser Rechner nicht abbildet.

5. Steuerliche und verkaufsseitige Bewertung gleichsetzen: Der für die Erbschaftsteuer anerkannte vereinfachte Ertragswert (§ 203 BewG) und der Preis, den ein fremder Dritter am Markt zahlt, können weit auseinanderliegen. Wer mit dem steuerlichen Wert in eine Verkaufsverhandlung geht, verhandelt auf der falschen Grundlage.

Häufige Fragen

Firmenwertrechner – Fragen und Antworten

Wie genau ist so ein Online-Firmenwertrechner?

Er liefert eine grobe Orientierungsspanne, kein Gutachten. Reale Kaufpreise hängen zusätzlich von Verhandlungsmacht, Kundenkonzentration, Inhaberabhängigkeit und der tatsächlichen Due Diligence ab, die kein pauschaler Multiplikator abbilden kann.

Stand 

Was ist der Unterschied zwischen Ertragswert- und Multiplikatorverfahren?

Das vereinfachte Ertragswertverfahren nach § 203 BewG multipliziert den nachhaltigen Jahresertrag mit einem festen Kapitalisierungsfaktor (13,75) – steuerlich anerkannt, aber schuldenblind. Das Multiplikatorverfahren rechnet EBIT mal Branchenfaktor und zieht die Nettoverschuldung ab – näher an dem, was Banken und Käufer tatsächlich zahlen.

Stand 

Warum unterscheiden sich Enterprise Value und Eigenkapitalwert?

Der Enterprise Value (EBIT × Branchenfaktor) bewertet den operativen Betrieb unabhängig von seiner Finanzierung. Erst der Abzug der Nettoverschuldung (Verbindlichkeiten minus liquide Mittel) ergibt den Eigenkapitalwert – also das, was für die Alt-Inhaber tatsächlich übrig bleibt.

Stand 

Kann der Eigenkapitalwert bei hoher Verschuldung null sein?

Ja. Übersteigt die Nettoverschuldung den Enterprise Value, bleibt rechnerisch kein Eigenkapitalwert für die Alt-Inhaber – ein echtes, informatives Ergebnis, keine fehlende Berechnung. Oft zeigt dann nur das schuldenblinde Ertragswertverfahren einen positiven Wert, was ein Warnsignal ist, keine zweite Meinung.

Stand 

Wie wird eine Steuerberaterkanzlei bewertet?

Verbreitet ist die Umsatzmethode: 80–150 % des durchschnittlichen Jahresnettoumsatzes (Honorarumsatz) der letzten Jahre. Fachlich gilt die komplexere Ertragswertmethode (Bewertung nach dem nachhaltig erzielbaren Gewinn des Nachfolgers) als vorzugswürdig – die Umsatzmethode liefert nur eine erste Orientierung.

Stand 

Was ist der Ausgleichsanspruch einer Handelsvertretung wert?

Bei einer Handelsvertretung ist der wirtschaftlich greifbare Wert beim Ausscheiden meist der gesetzliche Ausgleichsanspruch nach § 89b HGB, gedeckelt auf die durchschnittliche Jahresprovision der letzten fünf Vertragsjahre. Das ist ein Anspruch gegen den vertretenen Unternehmer, kein klassischer Verkaufspreis wie bei einem Betrieb mit eigenem Kundenstamm.

Stand 

Mit welchem Faktor wird ein Versicherungsmakler-Bestand bewertet?

Marktüblich ist ein Vielfaches der jährlichen Bestandscourtage, häufig in einer Spanne von etwa dem 1,5- bis 3,5-Fachen – je nach Sparte, Stornoquote, Kundenalter und Übertragbarkeit des Bestands. Eine belastbare, öffentlich einheitliche Zahl gibt es nicht; der reale Faktor wird meist im Einzelfall verhandelt.

Stand 

Zählt ein Multiplikator aus einer anderen Branche trotzdem, wenn meine fehlt?

Nur als grobe Näherung. Wähle die Branche, deren Geschäftsmodell (Margen, Kapitalbindung, Kundenbindung) deinem Betrieb am ähnlichsten ist, und behandle das Ergebnis als Startpunkt für ein Gespräch mit einem Fachbewerter, nicht als Endwert.

Stand 

Wie hängt der Firmenwert mit der Erbschaft-/Schenkungsteuer zusammen?

Bei einer Übergabe innerhalb der Familie ist ein separat ermittelter Unternehmenswert die Ausgangsbasis für die Verschonungsregeln der §§ 13a/13b ErbStG (Regel- oder Optionsverschonung, Abzugsbetrag, Vorwegabschlag für Familienunternehmen) – das ist ein eigener Rechenschritt, den dieser Rechner nicht abbildet.

Stand 

Und jetzt?

Mit deinen echten Zahlen weiterrechnen

Dieser Rechner arbeitet mit den Annahmen, die du eingetippt hast. PilotOS rechnet dieselbe Mehrmethoden-Bewertung im Übergabepilot über deine tatsächlichen Buchungen – lokal auf deinem Rechner, ohne dass eine Zahl das Haus verlässt.

Der Free-Tarif ist dauerhaft kostenlos. Kein Konto nötig, um die Rechner zu benutzen.